Todesstrafe

Texas wendet auch heute noch als Staat in den USA die Todesstrafe an. Von den Strafgerichten wird sie bei entsprechender Schwere des Verbrechens verhängt. Texas ist mit knapp 500 hingerichteten Menschen seit 1976 der Bundesstaat in den USA, der die Todesstrafe am häufigsten gebraucht. Nahezu ein Drittel aller Hinrichtungen in den Vereinigten Staaten gehen auf das Konto des „Lone Star State“

Texas Todesstrafe

Warum gibt es so viele Todesurteile in Texas?

Seit 2007 gehen sogar zwei Drittel aller Todesstrafen auf Texas zurück. Der Grund liegt jedoch nicht in einer hohen Zahl der ausgesprochenen Urteile – die ist in andere Bundesstaaten ebenso hoch – , sondern in einer geringen Einwende der Berufungsgerichte. Lediglich drei Prozent der Urteile, die in erster Instanz zum Todesurteil führten, wurden durch das Berufungsgericht aufgehoben. Normalerweise werden so knapp 70 Prozent der Urteile rückgängig gemacht – nicht aber in Texas.

Weiterhin ist es dem Gouverneur nicht möglich, aus eigener Initiative heraus, eine Todesstrafe aufzuheben. Erst wenn der texanische Begnadigungsausschuss (Texas Board of Pardons and Paroles) eine Begnadigung empfiehlt, kann der Gouverneur das Wort ergreifen und eine Entscheidung fällen. Ansonsten darf er die Hinrichtung nur um 30 Tage aufschieben.

Wie läuft eine Todesstrafe in Texas ab?

Hinrichtungen werden in Texas ausschließlich in der Huntsville Unit vollstreckt. Ist der Befehl zur Todesstrafe eingegangen, so wird der Betroffene in den speziellen Sicherheitsbereich des Gefängnisses verlegt. Nun untersteht der Gefangene stündlicher Überwachung – das Verhalten wird regelmäßig dokumentiert.

Die Aufzeichnungen, die auch schon 2 Wochen vor der Hinrichtung angefertigt werden und innerhalb der Zeitspanne immer wieder wiederholt werden, beinhalten folgende Punkte:

+ Bericht der Psyche: Drei Psychiater beurteilen den Geisteszustand des Verurteilten und schätzen anhand von Befragungen und Untersuchungen in Ergänzung mit der Vorgeschichte die Psyche detailliert ein.

+ Bericht eines Geistlichen: Aus geistlicher Sicht wird der spirituelle und emotionale Zustand des Gefangenen dokumentiert.

+ Beobachtungen des Gefängnispersonals über das Verhalten der Person

+ Abschlussbericht vom Gefängnisdirektor: Auffälligkeiten und Beobachtungen aus Gesprächen mit dem Gefangenen und seinen Bekannten/Verwandten.

Dieser Bericht wird immer wieder neu aufgesetzt, um auch Veränderungen im Verhalten des zum Tode verurteilten Menschen festzustellen.

24 Stunden vor der Hinrichtung muss der Gefangene dann in eine separierte Überwachungskammer unmittelbar neben der Hinrichtungskammer. Er hat hier bei dem Bewusstsein, gleich der Todesstrafe zu erliegen, die letzte Möglichkeit, Medien zu nutzen oder zu lesen. Das Verhalten wird von gleich drei Wächtern rund um die Uhr kontrolliert. In dieser Überwachungskammer kann der Verurteilte auch noch ein letztes Mal mit seiner Familie, den Freunden, Verwandten oder Bekannten sprechen und auch mit seinem Anwalt noch einmal Kontakt aufnehmen. Diese Personen müssen dann allerdings bis zum Mittag des Hinrichtungstages weg sein.

Dann folgt die Umsetzung der Todesstrafe. Laut Strafgesetzbuch können bis zu 50 Zeugen bei der Hinrichtung als Zeugen dabei sein. Möglich sind der Gefängnisdirektor, Generalstaatsanwalt, bis zu 2 Ärzte, 5 Familienmitglieder oder Freunde des Verurteilten und 12 renommierte Bürger. Außerdem sind 2 Geistliche, bis zu 17 Medienvertreter, 9 vom Staat bestimmte Zeugen oder 4 Beamte, die den Verurteilten begleiten. Diese Zeugen müssen bis zu 2 Stunden vor der Hinrichtung vor Ort sein und eingetroffen sein. Die anwesenden Medienvertreter, also Reporter und Journalisten dürfen allerdings keine Aufnahmen machen – weder Bild noch Ton. Doch alleine die Tatsache, dass sie, um das öffentliche Interesse zu befriedigen, dabei sind, regt zum Nachdenken über die Todesstrafe an. Der Verurteilte selber darf nur 5 Zeugen frei wählen, die auch noch vom Direktor selber bestätigt werden müssen. Ein Mitarbeiter des TDCJ-Victim Service Division bereitet die gewählten Angehörigen auf die Durchführung der Todesstrafe vor. Dazu wird ein Video gezeigt und auf mögliche Probleme aufmerksam gemacht. Außerdem wird der Hinrichtungsraum und das Zeugenzimmer vorgestellt.

Das letzte Essen, also die Henkersmahlzeit, vor der Durchführung der Todesstrafe in Texas darf der Gefangene frei wählen. Zwischen 15:30 Uhr und 16:00 Uhr kann er die Mahlzeit, die aus Zutaten und Lebensmitteln aus der Gefängnisküche besteht, einnehmen. Danach muss er sich schon fertig machen für die Hinrichtung. Diese findet etwa um 18.00 Uhr statt. Auch hier gilt: alles, was der Gefangene sagt und tut, wird akribisch protokolliert.

Nach ein paar wenigen letzten Worten des Verurteilten gibt der Direktor ein Startzeichen zur Durchführung der Todesstrafe, die in Texas immer in Huntsville stattfinden. Die tödlichen Injektion wird vom Giftteam verabreicht. Ein Arzt verfolgt das gesamte Prozedere, damit nichts schiefläuft und der Verurteilte auch ohne großes Leiden stirbt. Vom Beginn der Injektion bis zum Herzstillstand vergehen etwa acht Minuten. Anschließend muss der Arzt den Tod bescheinigen und die Zeugen werden davon in Kenntnis gesetzt.